Forschungspreis Bundesverband AUGE 2017                                       Dotierung: € 5.000
gestiftet vom Bundesverband AUGE e.V.

Preisträger: Prof. Dr. med. habil. Marcus Kernt (München/Oxford)

Jurymitglieder

Prof. Dr. med. Norbert Körber, Augencentrum Köln
Prof. Dr. med. Helmut Höh, Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg
Dipl.-Ing. Dieter W. Staubitzer, Bundesverband AUGE e.V. Berlin


Laudatio
Dipl.- Ing. Dieter W. Staubitzer, Bundesverband AUGE e.V.

Der Forschungspreis Bundesverband AUGE 2017 wird dieses Jahr vergeben an:

Prof. Dr. med. habil. Marcus Kernt (München/Oxford)

mit dem Thema:

Intraokularlinsen mit adaptivem Lichtschutz:
Ein neues Konzept für optimalen Netzhautschutz?

Professor Dr. med. habil Marcus Kernt München
In dem hier vorgestellten innovativen Forschungsansatz liefert Herr Prof. Dr. med. Kernt einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Augen nach Kataraktoperation vor schädlicher Strahlung und damit auch zum Schutz vor möglichen Netzhautschädigungen, die Erkrankungen, wie die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD), hervorrufen können. Ziel dieses ohne industrielle Einflussnahme initiierte und durchgeführte Forschungsprojekts ist auf einfache Weise die Augen von Risikopatienten nach Kataraktoperationen vor schädlicher kurzwelliger Strahlung zu schützen.

„Die AMD ist neben Katarakt und Glaukom die dritthäufigste Ursache für Sehbehinderung weltweit. Neben Umwelt-Faktoren, Ernährung und genetischen Einflüssen stellt auch die kumulativ schädigende Wirkung des Sonnenlichts einen wichtigen Risikofaktor für die Entstehung der AMD dar. Wenn auch teils kontrovers diskutiert, legen Daten aus großen epidemiologischen Studien einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen der Entstehung der AMD und der lebenslangen Sonnenlichtexposition nahe.
Presselink: gesundheit adhoc


Einen wichtigen Ansatz zum Schutz der Netzhaut stellen Intraokularlinsen (IOLs) mit einer spezifischen Filterwirkung in diesem Wellenlängenbereich dar, die jedoch aufgrund potentieller Nebenwirkungen nicht unumstritten sind. Als mögliche Nebenwirkungen dieser gelb getönten IOLs werden beispielsweise die Abnahme der Kontrastempfindlichkeit oder Störungen der Farbwahrnehmung, aber auch eine verminderte skotopische Empfindlichkeit berichtet. Auch wird von verschieden Autoren immer wieder eine mögliche Beeinflussung von Schlaf und zirkadianem Rhythmus durch die bisher in der Regel vollständig gelb getönten Blaulicht absorbierenden IOLs angenommen und breit in der Literatur diskutiert.

Das hier prämierte, von Prof. Dr. Marcus Kernt (J.Radcliffe Hospital, University of Oxford, UK-Augenklinik der LMU, München) und Dr. Hartwig Becker (Augenarzt, Berlin) neu entwickelt Konzept einer den Lichtbedingungen entsprechend, ihre Transmission anpassenden IOL (transmission-adaptive IOL, TA-IOL), ist insofern wegweisend, als die angesprochenen potentiellen Nebenwirkungen der bisher verfügbaren „gelben“ IOLs auf ein Minimum reduziert werden können, ohne gleichzeitig die Schutzwirkung eines Blaulichtfilters unter starker Lichteinwirkung zu verlieren. Hierbei ist die Optik der IOL in ihrem Zentrum gelb getönt. Dieser Blaulicht- und UV-Filter nimmt zur Peripherie der IOL-Optik stufenlos und kontinuierlich ab. Die Peripherie der Linse ist ungetönt und nur mit dem obligaten UV-Filter ausgestattet. Dieses Konzept bewirkt, dass insbesondere bei hoher Lichtbelastung (Mittagssonne o. ä.), wenn sich die Pupille verengt, das Licht lediglich durch den zentralen Teil der IOL, welcher mit dem vollen Schutz des Blaulicht-und UV-Filters ausgestattet ist, in das Auge fällt, und so die Netzhaut vor vermehrter Strahlung im kurzwelligen Bereich geschützt ist. Bei schlechten Lichtbedingungen, wenn negative Auswirkungen auf Kontrastempfindlichkeit, Farbwahrnehmung, aber auch die skotopische Empfindlichkeit besonders vermieden werden sollen, wird die Pupille weit und das Licht kann auch durch den peripheren, ungetönten Anteil der TA-IOL in das Auge gelangen und so die potentiellen Nebenwirkungen der komplett getönten „gelben“ IOLs minimieren. Durch den graduellen Übergang des Schutzfilters zur Peripherie hin, geschieht diese Anpassung der Schutzfilterwirkung stufenlos und damit für den Patienten praktisch unmerklich. 

Experimentellen Untersuchungen an primäre humane retinale Pigmentepithelzellen (RPE) konnten eindeutig zeigen, dass sowohl die nur UV-Licht absorbierende, als auch die TA-IOL zu einer signifikanten Reduktion der phototoxischen Effekte des Lichts im RPE führten, das aber insbesondere unter starker Lichteinstrahlung und bei Simulation einer engen Pupille die beschriebenen bestrahlungsbedingten negativen Effekte auf die Proliferationsfähigkeit der Zellen, durch die TA-IOL signifikant stärker reduziert, als durch eine konventionelle, UV-Licht absorbierende IOL.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Konzept einer Intraokularlinse mit an die Lichtbedingungen adaptierter Transmission (TA-IOL) einen sehr vielversprechenden Ansatz darstellt, der die potentiellen Vorteile von Blaulicht-Filter-IOLs nutzt, aber deren potentielle Nachteile minimiert. Auch wenn die Entwicklung dieses neuen Linsentyps noch am Anfang steht, besteht aber die begründete Hoffnung, dass dieser neue IOL-Typ in Zukunft auch für eine breite klinische Anwendung verfügbar wird.“


Bundesverband AUGE e.V.

Unsere Patientenorganisation kümmert sich seit 1999 um Menschen mit chronischen Augenerkrankungen. Es liegt uns besonders am Herzen, wenn Erkenntnisse in der Wissenschaft möglichst schnell in die Praxis und zum Wohle der Betroffenen umgesetzt werden können. Mit der Preisverleihung wollen wir aber auch neue Konzepte anregen. Wir gratulieren daher Herrn Prof. Dr. Marcus Kernt zum „Forschungspreis Bundesverband AUGE 2017“.

MK 24.8.2017/ DWS 25.08.2017